Zukunft zum Anfassen: VR-Brille und Kompetenzberatung ebnen den Berufsweg von morgen

Ein solarbetriebener Kubus auf dem historischen Marktplatz in Freudenstadt. Regenwetter, das den Enthusiasmus der Organisatoren nicht trüben kann. Eine Virtual-Reality-Brille, die den Sprung in mehr als100 Berufe ermöglicht. Das war die Kulisse für den Aktionstag „Berufsberatung To Go.
Das Aktionstag-Team mit (von links): WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer, Wirtschaftsbeauftragte Elke Latscha und Oberbügermeister Adrian Sonder sowie Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. Außerdem im Bild: Nico Schüler, Susanne Franzke, Waltraud Barton, Ayhan Kamil (alle Arbeitsagentur) und Kerstin Weipert, Svea Taube und Lidia Niestoruk (alle TraFoNetz). Foto:StefanGauß

Von Gerd Lache | 25.09.2025

Organisiert vom Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald und der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, verwandelte sich der Ko-Kubus in eine mobile Beratungsstation, um Menschen direkt vor Ort für ihre berufliche Zukunft zu begeistern.

Martina Lehmann, Chefin der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, bezeichnet die VR-Brille, hier getragen von Nico Schüler, mit über 100 digitalen Berufsinformationen als Magnet für Jugendliche.
@Foto:GerdLache

Trotz des Regens fanden sowohl Jugendliche als auch Erwachsene den Weg zur Beratungsstation. Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, brachte das Ziel auf den Punkt: „Im Grunde ist unser gesamtes Handeln drauf ausgerichtet, dahin zu gehen, wo Jugendliche sind“. Dieser direkte Ansatz soll Hemmschwellen abbauen und frühzeitig Lust auf die Berufswahl machen.

Kerstin Weipert vom TraFoNetz-Team informiert am Glücksrad über Weiterbildung und berufliche Qualifikation. @Foto:GerdLache

Magnet für Jugendliche

Highlight des Aktionstags war eine VR-Brille. „Das ist ein eingeschworener Magnet für die Jugendlichen“, erklärte Martina Lehmann. Seit etwa zwei Jahren im Einsatz bei der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, biete die Brille mehr als nur Videos: Sie ermögliche eine 360-Grad-Erfahrung des Arbeitsalltags. Ob im Krankenhaus oder in einem Industriebetrieb, die Nutzer seien mittendrin und bekämen einen realistischen Einblick in verschiedene Arbeitswelten. „Umso früher Jugendliche Lust auf Berufe kriegen, sich mit der Thematik auseinandersetzen, umso höher die Chance, dass sie dann auch irgendwann mal gut informiert genau den Beruf ergreifen, der zu ihren Talenten am besten passt“, so die Agentur-Chefin.

Neben einem ungezwungenen Beratungsgespräch bot Lidia Niestoruk vom TraFoNetz-Team den Besucherinnen und Besuchern am Ko-Kubus auch nützliche Give-aways. (c)Foto:GerdLache

Mehr Mädchen in MINT-Berufe

Wichtig sei dies auch für weibliche Ausbildungsinteressierte, um sie früh für Berufe zu begeistern, die über die klassischen zehn Frauenberufe hinausgehen. Stichwort: MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Indes gebe es bei den Top-10-Ausbildungsberufen für Mädchen momentan noch kaum Veränderungen: Arztassistentin, kaufmännische Berufe und Friseurin bleiben laut Lehmann dominant. Bei den jungen Männern hingegen sei ein Trend erkennbar: Neben dem Kfz-Mechatroniker habe es mit dem Energieelektroniker und dem Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zwei weitere Handwerksberufe in die Top 10 geschafft. Ein Zeichen dafür, dass Themen wie Klimawandel und Energiewende im Handwerk angekommen seien.

Bei intensiven Informationsgesprächen gab Ayhan Kamil vom Team der Arbeitsagentur den Besuchern des Ko-Kubus am Aktionstag wertvolle Tipps mit auf den Weg. ©Foto:GerdLache

Enorme Chancen in Freudenstadt

Gerade im Landkreis Freudenstadt sei die Ausgangssituation für junge Menschen so günstig wie nirgendwo sonst im Nordschwarzwald, betonte Lehmann. Auf jede suchende Person kommen aktuell vier unbesetzte Ausbildungsstellen. Dies sei eine riesige Chance für Jugendliche, stelle aber die Betriebe vor massive Nachwuchsprobleme. Events wie der Aktionstag am Ko-Kubus sollen helfen, Betriebe und junge Menschen zusammenzubringen.

Macht mit Beratung, Betreuung und der Aussicht auf finanzielle Zuschüsse der „stillen Reserve“ Lust auf den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben: Waltraud Barton vom Team der Arbeitsagentur. ©Foto:GerdLache

Ungenutztes Potenzial „stille Reserve“

Ein zweiter Fokus des Aktionstages lag auf der sogenannten „Stillen Reserve“ – Menschen, die über einen beruflichen Wiedereinstieg nachdenken. Waltraud Barton, Spezialistin für die Berufsberatung im Erwerbsleben bei der Arbeitsagentur, kennt die Herausforderungen. „Die Hürden sind da enorm groß“, sagt sie. Oftmals scheitere der Wiedereinstieg an praktischen Dingen wie der Kinderbetreuung oder der Hemmschwelle, das sichere Umfeld zu Hause zu verlassen.

Dabei sei der Förderbedarf groß. Die Agentur für Arbeit biete umfassende Unterstützung. Diese reiche von finanziellen Zuschüssen für eine abschlussorientierte Umschulung und Prämien für bestandene Prüfungen bis hin zur Übernahme von Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. „Es gibt den Interessenten die Möglichkeit, einen Berufsabschluss zu erzielen“, erklärt Barton. Ein besonders attraktives Projekt sei der „Kita-Direkteinstieg“, der Frauen die Ausbildung zur Erzieherin oder sozialpädagogischen Assistentin direkt in einer Einrichtung ermögliche und so dem Fachkräftemangel entgegenwirke.

Ralf Bohnet, Wirtschaftsbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, interessierte sich besonders für Svea Taubes Präsentation über den TraFoNetz-Selbstcheck zu beruflichen Zukunftskompetenzen. @Foto:GerdLache

Starke Partner für die Transformation

Neben der VR-Brille konnten sich Interessierte bei Svea Taube über den vom TraFoNetz entwickelten „Selbstcheck Zukunftskompetenzen“ informieren. Dieses digitale Werkzeug gibt Taube zufolge Hinweise, welche Fähigkeiten in der transformierten Wirtschaft von morgen gefragt sind.

Der Aktionstag zeigte laut Martina Lehmann die gute und enge Verbindung zwischen dem Transformationsnetzwerk und der Arbeitsagentur: „So entstehen auch immer wieder gemeinsam Ideen.“ Das TraFoNetz fungiere als wichtiger Multiplikator und Partner, um die Expertise der Agentur sichtbar zu machen und Lücken zu füllen, wo gesetzliche Finanzierungsgrundlagen fehlten.

Neben Tipps und Beratung versorgte Susanne Franzke vom Team der Arbeitsagentur die  Besuchenden des Ko-Kubus auch mit einer Tasse Kaffee oder Tee. ©Foto:GerdLache

Unterstützung am Aktionstag

Auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft zeigten am Aktionstag ihre Unterstützung durch ihren Besuch, darunter Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder, Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald, sowie die Wirtschaftsbeauftragten Ralf Bohnet (Landkreis Freudenstadt) und Elke Latscha (Freudenstadt). Sie alle konnten sich von der Arbeit des Beratungsteams überzeugen, zu ihm gehörten von Seiten des TraFoNetzes Kerstin Weipert, Lidia Niestoruk und Svea Taube sowie von der Arbeitsagentur Waltraud Barton, Susanne Franzke, Nico Schuler und Ayhan Kamil.

TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald ist ein Netzwerk für Transformation und Innovation, das Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen bringt. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald zu einem führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu machen.

Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die Hochschule Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammern Karlsruhe und Reutlingen, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie Steinbeis InnoBW, Senioren der Wirtschaft, wvib Wirtschaftsverband und weitere.

www.trafonetz.de

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