30.03.2026
von Tanja Meckler
In der Backstube des Cafés Lillehus in Ettlingen riecht es nach frisch gebackenem Brot und Kuchen. Die Räume liegen im Keller: 130 Quadratmeter, niedrige Decken, enge Gänge. Wer hier arbeitet, muss sich aneinander vorbeischieben. Draußen im Garten steht ein Tiefkühlanhänger, in der benachbarten Gärtnerei lagern weitere Waren in angemieteten Containern.

„Anders geht es im Moment nicht“, sagt Ute Kinn. „Wir sind einfach zu groß geworden für das, was wir hier haben. Und jetzt müssen wir irgendwie überleben.“

Dabei war das Café nie als wachsendes Unternehmen gedacht. Als Ute und Theodor Kinn Lillehus 2018 eröffneten, sollte es ein kleines Projekt für den Ruhestand sein: ein paar Tische, selbst gebackene Kuchen, geöffnet am Wochenende.
Heute ist daraus ein Familienunternehmen geworden, das in den Lebensmitteleinzelhandel liefert – und eine neue Produktionshalle plant.

Vor etwa 18 Jahren entwickelte Ute Kinns Mann eine schwere Glutenunverträglichkeit. Von einem Tag auf den anderen musste die Familie ihre Ernährung umstellen. „Es gab damals kaum Produkte, die wirklich geschmeckt haben“, sagt Kinn. Also begann sie, selbst glutenfrei zu backen – zunächst nur für die Familie.
Die Diplom-Biologin stammt aus einer Bäckerfamilie, das Handwerk war ihr vertraut. Was als Ausgleich zu ihrem Beruf als Mediatorin begann, entwickelte sich über Jahre zu einer eigenen Rezeptwelt glutenfreier Kuchen und Brote.
Nach der Café-Eröffnung stiegen nach und nach die drei Kinder in den Betrieb ein. Florian Kinn, ursprünglich Informatiker, baute den Onlineshop auf. Tobias Kinn übernahm Marketing und Vertrieb, Schwester Sarah gestaltet Verpackungen und betreut das Café.
„Dass wir irgendwann alle hier arbeiten würden, hat niemand geplant“, sagt Florian Kinn. „Das hat sich einfach so ergeben.“
Mit dem Onlineshop kamen Bestellungen aus ganz Deutschland. Doch der eigentliche Wachstumsschub kam erst, als Lillehus begann, etwas zu liefern, das es so bislang kaum gab: glutenfreies Dönerbrot.

Gemeinsam mit der Dönerbar in Waldbronn entwickelte die Familie ein Brot, das stabil genug für einen Döner ist – und zugleich komplett glutenfrei. Der Betreiber richtete dafür sogar eine eigene Theke ein, um Kreuzkontamination zu vermeiden.
Ein kurzes Video auf Instagram wurde millionenfach angesehen. „Danach kamen täglich neue Anfragen“, sagt Florian Kinn. „Vorher kannten uns viele in der Szene gar nicht.“
https://www.instagram.com/reel/DJpPhmgAh0l/?igsh=cmJjNTA2a3I1OHhi
Wie weit die Wirkung reicht, zeigt ein Beispiel aus Freiburg: Ein Vater entdeckte mit seiner Tochter den glutenfreien Döner in Waldbronn – und eröffnete später selbst einen kleinen Imbiss. Das Fleisch bezieht er von dort, Brot und weitere Produkte von Lillehus.

Parallel entwickelte sich das Geschäft weiter. Ende 2023 folgte der nächste Schritt: Lillehus brachte seine glutenfreien Tiefkühlprodukte erstmals in den Lebensmitteleinzelhandel.
Inzwischen stehen sie in mehreren REWE-Märkten, weitere haben Interesse angemeldet. Auch im regionalen Fachhandel ist Lillehus präsent, etwa im Göpi-Markt in Langensteinbach.
Für Ute Kinn ist das noch immer ungewohnt. „Dass wir einmal Supermärkte beliefern würden, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt sie.
Mit der steigenden Nachfrage hat sich der Alltag grundlegend verändert. Neben dem Backen gehören heute auch Versand, Tiefkühllagerung und Kommissionierung zum Geschäft. Die Familie verschickt ihre Produkte per Spedition durch ganz Deutschland, erste Lieferungen gingen auch in die Schweiz.
„Wir haben das alles parallel zum laufenden Betrieb aufgebaut“, sagt Florian Kinn. „Wir sind ja keine Logistiker. Wir lernen jeden Tag dazu.“
Oft steht Ute Kinn bis spätabends in der Backstube, friert Ware ein oder packt Pakete. „Manchmal fühlt es sich an, als würde man mit Tellern jonglieren“, sagt sie. „Wenn einer runterzufallen droht, kommt schon der nächste.“

Die bisherigen Räume stoßen längst an ihre Grenzen. Deshalb baut die Familie derzeit eine neue Produktionsstätte in einer ehemaligen Industriehalle in der Ettlinger Spinnerei.
Auf rund 800 Quadratmetern entstehen Backstube, Lagerflächen und ein eigenes Tiefkühlhaus. Die Investition liegt in der ersten Ausbaustufe bei rund 500.000 Euro. Größere Maschinen sollen künftig viele Abläufe erleichtern. Wenn alles nach Plan läuft, soll im August 2026 dort gebacken werden.
Der Markt für glutenfreie Produkte wächst seit Jahren. Gleichzeitig ist das Angebot in Deutschland noch immer vergleichsweise begrenzt.
Für Lillehus ist das eine Chance. Viele Kunden kaufen die Produkte nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern schlicht wegen des Geschmacks.
Der Name Lillehus, dänisch für „kleines Haus“, passt heute nur noch bedingt. Mit neuer Produktionshalle, wachsender Belegschaft und Handelspartnern entwickelt sich der Betrieb zunehmend zu einem mittelständischen Lebensmittelhersteller. Ute Kinn, die in diesem Jahr 68 wird, steht trotzdem weiterhin täglich selbst in der Backstube.
„Ich mag Herausforderungen“, sagt sie und lächelt. „Und davon haben wir im Moment mehr als genug.“
Bis zum Umzug arbeitet das Team weiter unter provisorischen Bedingungen. Der Keller ist voll, die Wege eng – aber die Abläufe sitzen.






30.03.2026
von Tanja Meckler
In der Backstube des Cafés Lillehus in Ettlingen riecht es nach frisch gebackenem Brot und Kuchen. Die Räume liegen im Keller: 130 Quadratmeter, niedrige Decken, enge Gänge. Wer hier arbeitet, muss sich aneinander vorbeischieben. Draußen im Garten steht ein Tiefkühlanhänger, in der benachbarten Gärtnerei lagern weitere Waren in angemieteten Containern.

„Anders geht es im Moment nicht“, sagt Ute Kinn. „Wir sind einfach zu groß geworden für das, was wir hier haben. Und jetzt müssen wir irgendwie überleben.“

Dabei war das Café nie als wachsendes Unternehmen gedacht. Als Ute und Theodor Kinn Lillehus 2018 eröffneten, sollte es ein kleines Projekt für den Ruhestand sein: ein paar Tische, selbst gebackene Kuchen, geöffnet am Wochenende.
Heute ist daraus ein Familienunternehmen geworden, das in den Lebensmitteleinzelhandel liefert – und eine neue Produktionshalle plant.

Vor etwa 18 Jahren entwickelte Ute Kinns Mann eine schwere Glutenunverträglichkeit. Von einem Tag auf den anderen musste die Familie ihre Ernährung umstellen. „Es gab damals kaum Produkte, die wirklich geschmeckt haben“, sagt Kinn. Also begann sie, selbst glutenfrei zu backen – zunächst nur für die Familie.
Die Diplom-Biologin stammt aus einer Bäckerfamilie, das Handwerk war ihr vertraut. Was als Ausgleich zu ihrem Beruf als Mediatorin begann, entwickelte sich über Jahre zu einer eigenen Rezeptwelt glutenfreier Kuchen und Brote.
Nach der Café-Eröffnung stiegen nach und nach die drei Kinder in den Betrieb ein. Florian Kinn, ursprünglich Informatiker, baute den Onlineshop auf. Tobias Kinn übernahm Marketing und Vertrieb, Schwester Sarah gestaltet Verpackungen und betreut das Café.
„Dass wir irgendwann alle hier arbeiten würden, hat niemand geplant“, sagt Florian Kinn. „Das hat sich einfach so ergeben.“
Mit dem Onlineshop kamen Bestellungen aus ganz Deutschland. Doch der eigentliche Wachstumsschub kam erst, als Lillehus begann, etwas zu liefern, das es so bislang kaum gab: glutenfreies Dönerbrot.

Gemeinsam mit der Dönerbar in Waldbronn entwickelte die Familie ein Brot, das stabil genug für einen Döner ist – und zugleich komplett glutenfrei. Der Betreiber richtete dafür sogar eine eigene Theke ein, um Kreuzkontamination zu vermeiden.
Ein kurzes Video auf Instagram wurde millionenfach angesehen. „Danach kamen täglich neue Anfragen“, sagt Florian Kinn. „Vorher kannten uns viele in der Szene gar nicht.“
https://www.instagram.com/reel/DJpPhmgAh0l/?igsh=cmJjNTA2a3I1OHhi
Wie weit die Wirkung reicht, zeigt ein Beispiel aus Freiburg: Ein Vater entdeckte mit seiner Tochter den glutenfreien Döner in Waldbronn – und eröffnete später selbst einen kleinen Imbiss. Das Fleisch bezieht er von dort, Brot und weitere Produkte von Lillehus.

Parallel entwickelte sich das Geschäft weiter. Ende 2023 folgte der nächste Schritt: Lillehus brachte seine glutenfreien Tiefkühlprodukte erstmals in den Lebensmitteleinzelhandel.
Inzwischen stehen sie in mehreren REWE-Märkten, weitere haben Interesse angemeldet. Auch im regionalen Fachhandel ist Lillehus präsent, etwa im Göpi-Markt in Langensteinbach.
Für Ute Kinn ist das noch immer ungewohnt. „Dass wir einmal Supermärkte beliefern würden, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt sie.
Mit der steigenden Nachfrage hat sich der Alltag grundlegend verändert. Neben dem Backen gehören heute auch Versand, Tiefkühllagerung und Kommissionierung zum Geschäft. Die Familie verschickt ihre Produkte per Spedition durch ganz Deutschland, erste Lieferungen gingen auch in die Schweiz.
„Wir haben das alles parallel zum laufenden Betrieb aufgebaut“, sagt Florian Kinn. „Wir sind ja keine Logistiker. Wir lernen jeden Tag dazu.“
Oft steht Ute Kinn bis spätabends in der Backstube, friert Ware ein oder packt Pakete. „Manchmal fühlt es sich an, als würde man mit Tellern jonglieren“, sagt sie. „Wenn einer runterzufallen droht, kommt schon der nächste.“

Die bisherigen Räume stoßen längst an ihre Grenzen. Deshalb baut die Familie derzeit eine neue Produktionsstätte in einer ehemaligen Industriehalle in der Ettlinger Spinnerei.
Auf rund 800 Quadratmetern entstehen Backstube, Lagerflächen und ein eigenes Tiefkühlhaus. Die Investition liegt in der ersten Ausbaustufe bei rund 500.000 Euro. Größere Maschinen sollen künftig viele Abläufe erleichtern. Wenn alles nach Plan läuft, soll im August 2026 dort gebacken werden.
Der Markt für glutenfreie Produkte wächst seit Jahren. Gleichzeitig ist das Angebot in Deutschland noch immer vergleichsweise begrenzt.
Für Lillehus ist das eine Chance. Viele Kunden kaufen die Produkte nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern schlicht wegen des Geschmacks.
Der Name Lillehus, dänisch für „kleines Haus“, passt heute nur noch bedingt. Mit neuer Produktionshalle, wachsender Belegschaft und Handelspartnern entwickelt sich der Betrieb zunehmend zu einem mittelständischen Lebensmittelhersteller. Ute Kinn, die in diesem Jahr 68 wird, steht trotzdem weiterhin täglich selbst in der Backstube.
„Ich mag Herausforderungen“, sagt sie und lächelt. „Und davon haben wir im Moment mehr als genug.“
Bis zum Umzug arbeitet das Team weiter unter provisorischen Bedingungen. Der Keller ist voll, die Wege eng – aber die Abläufe sitzen.





