„Verdienen kommt von dienen“ – wie ein Mittelständler Energie neu denkt

Horst Graef, Geschäftsführer der Energie Calw GmbH (ENCW), muss nicht lange überlegen, wenn es um sein unternehmerisches Leitmotiv geht: „Wo keine Leistung, da kein Preis. Verdienen kommt von dienen.“
Vom regionalen Versorger zum vielseitigen Energiepartner: Die ENCW wächst über ihre Heimat hinaus. Im Gespräch mit Geschäftsführer Horst Graef. Foto: © Manuel Kamuf, Lightworkart

30.04.2026

Ein Satz, der viel über das Unternehmen verrät. Denn wer mit Graef spricht, merkt schnell: Die ENCW versteht sich nicht als Konzern, sondern als Mittelständler im besten Sinne, familiär im Umgang, schnell in Entscheidungen, verbindlich in der Umsetzung.

Der Weg dorthin begann 2007 – klein, aber mit klarem Anspruch. „Es war mutig“, sagt Graef rückblickend. Mut, etwas Eigenes aufzubauen. Und die Überzeugung, dass sich Leistung langfristig durchsetzt.

Vom Versorger zum Gestalter

Seit der Gründung hat sich die ENCW Schritt für Schritt weiterentwickelt. Heute versteht sich das Unternehmen als breit aufgestellter Energiepartner, mit dem Anspruch, leistungsstarker Mittelstand zu sein: nahbar, verlässlich und gleichzeitig wachstumsorientiert. Heute arbeiten im Unternehmen junge Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen – von technischen Berufen bis hin zu Akademikern

Ein zentraler Unterschied zum Großkonzern liegt für Graef im Vertrauen:
Verantwortung wird früh übertragen, Entscheidungen werden schnell getroffen.

Gleichzeitig stößt die Region irgendwann an natürliche Grenzen. Calw mit seinen rund 25.000 Einwohnern bleibt wichtige Basis, aber nicht das Ende der Entwicklung. Die ENCW sucht bewusst neue Märkte, sammelt Erfahrungen überregional und wächst über den Heimatstandort hinaus. Was dabei bleiben soll: die Nähe zum Kunden. „Wir wollen keine klassische Hotline“, sagt Graef. Es gehe darum, Anliegen empathisch zu lösen.

Vier-Tage-Woche, Digitalisierung und der Blick nach vorn

Ein sichtbares Signal für Veränderungsbereitschaft war die Einführung der Vier-Tage-Woche im Jahr 2023. Für die ENCW ein Erfolg, auch mit Blick auf Fachkräfte.

Parallel treibt das Unternehmen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz voran. Allerdings nicht als Selbstzweck. Die Idee dahinter: Prozesse effizienter machen, um mehr Zeit für das zu haben, was zählt , den Kunden.

Die ENCW will vorbereitet sein auf das, was kommt: Welche Fragen stellen Kunden künftig? Welche Lösungen werden erwartet?

Energieprojekte aus der Praxis heraus

Ein zweites wichtiges Standbein sind kommunale Energiegesellschaften. Sie sind nicht am Reißbrett entstanden, sondern aus konkreten Anforderungen von Städten und Gemeinden. Die Ausgangsfrage lautete oft: „Können Sie mehr?“ Gemeint war damit: Mehr als Strom liefern, mehr als einzelne Projekte umsetzen. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt ein Modell, bei dem gemeinsam mit Städten und Gemeinden Energieprojekte vor Ort umgesetzt werden. Jede Kommune ist dabei anders: Manche entscheiden schnell, andere brauchen Zeit. Die ENCW geht bewusst dorthin, wo Tempo und Wille vorhanden sind. Ziel ist es, weiter zu wachsen und eine Größe zu erreichen, die auch größere Strukturen tragen kann.

Energie und Mobilität zusammengedacht

Mobilität neu gedacht: Mit deer bringt die ENCW E-Mobilität in den ländlichen Raum.Foto: © Manuel Kamuf – Lightworkart

Mit der Gründung von schwarzwald energy und der deer GmbH hat die ENCW früh begonnen, Energie und Mobilität zu verzahnen.

Der Fokus: Lösungen für den ländlichen Raum.
Dort, wo klassische Infrastruktur oft an Grenzen stößt.

E-Mobilität wurde dabei nicht theoretisch gedacht, sondern erlebbar gemacht – zunächst im kleinen Maßstab, heute als wachsendes Netzwerk.

Der Ansatz bleibt pragmatisch:
Nicht warten, bis alles perfekt ist – sondern starten und gemeinsam mit den Nutzern weiterentwickeln.

Arbeiten bei der ENCW: das Gesamtpaket zählt

Auch intern setzt das Unternehmen auf Entwicklung. Für Graef ist klar: Mitarbeitende bleiben nicht wegen einzelner Benefits, sondern wegen des Gesamtbilds.

Flexible Arbeitsmodelle, Entwicklungsmöglichkeiten und Orte der Begegnung wie der deer Campus sind Teil davon. Gleichzeitig geht es auch um ganz praktische Fragen. Von Mobilität über Verpflegung bis hin zu Perspektiven wie Kinderbetreuung.

Das Ziel: ein Arbeitsumfeld schaffen, das Zeit spart, Wege erleichtert und langfristig bindet.

Wachstum mit Haltung

Trotz aller Dynamik bleibt ein Prinzip unverändert: wirtschaftliche Stabilität. Die ENCW hat ihre Zahlen kontinuierlich verbessert – und will diesen Weg fortsetzen.

Gleichzeitig bleibt das Unternehmen offen für neue Ideen, Kooperationen und Entwicklungen. Vieles entsteht direkt aus der Praxis, aus Projekten, Infrastruktur oder konkreten Anforderungen.

Der Blick nach vorn

Horst Graef denkt langfristig. Wachstum, neue Geschäftsfelder, eine stärkere Marktposition – das sind klare Ziele.

Gleichzeitig bleibt die Haltung konstant:
Verlässlichkeit und Tradition auf der einen Seite, Offenheit und Mut auf der anderen.

Oder, wie Graef es formuliert:
„Es geht darum, fleißig zu sein, Dinge anzupacken – und sich immer wieder zu fragen: Geht da noch mehr?“

Text; Viktoria Schneider, tm

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