Pforzheim zelebriert zum 12. Mal die Stärke seiner Wirtschaft

Zum zwölften Mal kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um den Pforzheimer Wirtschaftspreis zu feiern – bereits zum fünften Mal in Form eines festlichen Gala-Dinners. Über 400 Gäste sorgten in diesem Jahr für einen neuen Besucherrekord und eine besondere Atmosphäre.
V.l.n.r.: Peter Boch, Jana Fedele, Maximilian Müssle, Ruthild Haas-Kölmel, Fabian Böhm, Oliver Reitz. Foto: Sandra Gallian

7.11.2025

„Mit den Ehrungen sagen wir ganz bewusst und sehr gerne auch ‚Danke‘ für das erfolgreiche Wirken in nicht immer einfachen Zeiten“.
Oliver Reitz

von Sandra Gallian


Vor erstmals über 400 Gästen bot die festliche Gala am Donnerstagabend einen erneut sehr stimmungsvollen Rahmen für die Verleihung des Pforzheimer Wirtschaftspreises. Der von WSP-Direktor Oliver Reitz im Jahr 2013 initiierte Preis wird jährlich an Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens verliehen, die nachhaltige Impulse setzen und mit ihrem unternehmerischen Engagement sowie ihren langjährigen Leistungen herausragen.

Ein starkes Signal aus Pforzheim

Zum Auftakt des Abends begrüßte Initiator Oliver Reitz die Gäste und hob in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung des Wirtschaftspreises hervor:
„Dieses Format ehrt das Herausragende am Besonderen, zugleich setzt der heutige Abend Zeichen, gibt Impulse und betont die Gemeinschaft und das Miteinander von Wirtschaft, Politik und Verwaltung in unserer Stadt Pforzheim.“

Er zeigte sich zugleich besorgt über die schwierigen Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene, die „auch den Mittelstand im Raum Pforzheim vor besondere Herausforderungen stellen“. Umso wichtiger sei es, mit dem Wirtschaftspreis ein Zeichen zu setzen: „Mit den Ehrungen sagen wir ganz bewusst und sehr gerne auch ‚Danke‘ für das erfolgreiche Wirken in nicht immer einfachen Zeiten.“

Reitz betonte die Bedeutung des branchenübergreifenden Austauschs am Rande der Veranstaltung. Dieser fördere nicht nur die Gemeinschaft im Mittelstand, sondern auch das Miteinander von Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ein solcher Schulterschluss sei, so Reitz, „wichtiger denn je“.

Zuversicht trotz Herausforderungen

Anschließend richtete Oberbürgermeister Peter Boch das Wort an das Publikum. Seine Rede zeichnete ein Bild zwischen Zuversicht und Verantwortung:
„Es gibt wieder mehr Optimismus in den Führungsetagen der Unternehmen; von der Industrie über die Baubranche bis zu den Dienstleistern sehen wir bessere Erwartungen und zuversichtliche Ausblicke.“

Gleichzeitig mahnte Boch, dass große Aufgaben weiter bestünden – etwa die Sicherung von Arbeitsplätzen, der Fachkräftebedarf, der Bürokratieabbau und Investitionen in Innovation und Infrastruktur.

Er würdigte die Bedeutung des Mittelstands für die Stadt und machte deutlich, dass ein voller Saal nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, „dass in unserem Land die Rahmenbedingungen für Unternehmertum, Innovationen und Wachstum alles andere als rosig sind.“

Trotzdem zeigte er sich optimistisch: „Wir haben in unserer Stadt das Rüstzeug für die Zukunft – engagierte Menschen, starke Ideen und eine Stadtgesellschaft, die zusammenhält. Das macht mich zuversichtlich.“ Gleichzeitig versicherte er, dass die Stadt Pforzheim weiterhin alles daransetzen werde, „jede Bremse zu lösen, die künftig gelöst werden darf“, um Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Dynamik zu stärken.

Impulse aus Wissenschaft und Praxis

Mit spannenden Perspektiven aus Wissenschaft und Wirtschaft setzte der anschließende Wirtschaftstalk einen inhaltlichen Höhepunkt des Abends. Zu Gast war Professor Dirk Wentzel von der Hochschule Pforzheim, Experte für Volkswirtschaftslehre und europäische Wirtschaftsbeziehungen. Im Gespräch mit TV-Moderator Markus Brock beleuchtete Wentzel aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen, die Rolle Europas und die Bedeutung innovativer Ideen für die regionale Zukunft.

Markus Brock führte souverän durch die Diskussion und nahm ein halbes Jahr nach Amtsantritt der neuen Bundesregierung die wirtschaftspolitische Bilanz in den Blick – und deren Auswirkungen auf Pforzheim. Professor Wentzel zeigte sich dabei verhalten optimistisch: Der Bundesregierung stellte er die Schulnote 2,5 aus – „der erste Eindruck ist nicht ganz schlecht“, so sein Fazit. Die zum 1. Januar geplante Senkung der Stromsteuer, der Investitionsbooster mit 30 Prozent Abschreibungen pro Jahr sowie die bis 2028 angelegten Steuererleichterungen seien Schritte in die richtige Richtung. Immerhin, so Wentzel, zählten die europäischen Unternehmen weltweit zu den am stärksten steuerlich belasteten – in den vergangenen sechs Monaten seien jedoch keine neuen Belastungen hinzugekommen.

Auch regional sieht der Ökonom Pforzheim gut aufgestellt: „Pforzheim kann Krise“, betonte Wentzel und lobte die politische Vernunft. SPD und CDU hätten die Zeichen der Zeit erkannt, das Durchringen zu Steuererleichterungen wertete er als positives Signal. Deutschland, erinnerte er, sei schließlich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt – und bei Patentanmeldungen weltweit auf Platz vier. Mit einem augenzwinkernden Schlusswort rundete Wentzel seine Analyse ab:
„Wenn wir depressiv werden, wer soll auf dem Planeten dann noch fröhlich sein?“

Die Preisträger 2025: Drei Geschichten, ein gemeinsamer Spirit

Im Mittelpunkt des Abends standen die Auszeichnungen in den Kategorien „Marke & Innovation“, „Innovation & Idee“ sowie „Lebenswerk“.

Die Jury – bestehend aus dem Oberbürgermeister, dem Direktor des WSP, dem Leiter des WSP-Geschäftsbereichs Wirtschaftsförderung sowie Vertretern von IHK, Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit, der Sparkasse und der Volksbank – hatte die Preisträger bereits im Frühsommer ausgewählt. Die Preise sind nicht dotiert und bestehen aus einer vom Pforzheimer Schmuckdesigner Oliver Schmidt entworfenen Skulptur sowie einer Urkunde. Mit jeweils einem Filmporträt und einer Laudatio wurden die Preisträger feierlich gewürdigt.

Innovation & Idee: Fabian Böhm – Hörakustik neu gedacht

In der Kategorie „Innovation und Idee“ wurde Fabian Böhm, Gründer von BÖHM Hörakustik, ausgezeichnet.

Sein Geschäft in der Goethestraße erinnert mehr an einen Design-Store als an ein klassisches Fachgeschäft – ein Symbol für sein modernes Verständnis von Hörakustik.

Böhm, Jahrgang 1981, gründete 2014 sein Unternehmen mit Mut und Eigeninitiative. Heute beschäftigt er 14 Mitarbeitende, darunter fünf Hörakustik-Meister. Besonders hervorgehoben wurde seine innovative Kommunikationsstrategie: Mit Social Media, YouTube und dem Filmprojekt „Meine Hörreise“ machte er das Thema Hören emotional erlebbar.

„Gutes Hören geht jeden an – wir sind der Optiker für das Ohr“, sagte Böhm in seiner Dankesrede.

Die Jury lobte ihn, weil er „Tabus bricht, Qualität liefert und Pforzheim zu einem Zentrum für innovative Hörakustik macht.“ Für seinen Film erhielt er bereits den Future Hearing Award 2023.

V.l.n.r.: Oliver Reitz, Preisträger „Innovation und Idee“ Fabian Böhm, Laudator Jürgen Jainta und Peter Boch

Marke & Innovation: Familie Müssle – Genuss als Lebensgefühl

Den Wirtschaftspreis in der Kategorie „Marke und Innovation“ erhielten Maximilian Müssle und Jana Fedele für ihr Unternehmen Spezialitäten Müssle.

Was 1976 mit drei Mitarbeitenden begann, entwickelte sich zu einem modernen Gastronomiebetrieb mit 60 Beschäftigten – bestehend aus dem Hauptgeschäft, der Tagesbar, dem „Risto“ und der Vinothek.

In der Laudatio hieß es: „Es geht nicht darum, kulinarische Köstlichkeiten anzubieten. Es geht darum, eure eigene Idee von Wert und Ästhetik mit allen Sinnen erlebbar zu machen.“

Spezialitäten Müssle stehe für Lebensqualität, Genuss und eine Haltung, die weit über Gastronomie hinausgehe. „Ihr habt nicht nur eine Marke geschaffen – ihr habt ein Stück Pforzheimer Identität geprägt“, würdigte Laudator Jean-Marc Weiser.

Und Jana Federle und Maximilian Müssle betonten: „Wer zu uns ins Lädle kommt, spürt Müssle. Und ohne unsere Kunden gäbe es uns nicht“.

V.l.n.r.: Oliver Reitz, Laudator Jean-Marc Weiser mit den Preisträgern „Marke und Image“ Jana Fedele und Maximilian Müssle und Peter Boch

Lebenswerk: Ruthild Haas-Kölmel – Ein Leben voller Kunst

Den Wirtschaftspreis für ihr Lebenswerk erhielt Ruthild Haas-Kölmel, eine Künstlerin, Handwerkerin und Unternehmerin, die Präzision und Kreativität auf einzigartige Weise verband.

Geboren 1940 in Pforzheim, prägte sie über Jahrzehnte das Handwerk der Feinlackierung – zunächst als Meisterin, später als Unternehmerin. Sie entwickelte neuartige Lacktechniken und führte die 1924 gegründete Feinlackierwerkstätte Cyriak Kölmel zu internationalem Ansehen.

Ihre Arbeiten veredelten Produkte für Marken wie Montblanc und Dupont. Ebenso wichtig war ihr soziales Engagement: Benefizaktionen und Spendenprojekte für krebskranke Kinder und Hospize zeugen von ihrem großen Herzen.

„Verantwortung war für sie nie ein Schlagwort, sondern selbstverständlich gelebte Haltung“, hieß es in der Laudatio. Heute führt Tochter Barbara Haas das Unternehmen fort – mit neuen Schmuckkollektionen, die das künstlerische Erbe der Mutter lebendig halten.

V.l.n.r.: Oliver Reitz, Preisträgerin „Lebenswerk“ Ruthild Haas-Kölmel, Laudator Florian Kollmar und Peter Boch

Der nächste Pforzheimer Wirtschaftspreis kann kommen

Der Pforzheimer Wirtschaftspreis ist ein Format, welches im Kalender der Pforzheimer Stadtgesellschaft nicht nur fest verankert ist, sondern offensichtlich auch von Jahr zu Jahr an Zuspruch gewinnt.

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