Elektrohandwerk fordert verlässliche Rahmenbedingungen für Energiewende

Die Elektro-Innung Pforzheim/Enzkreis blickt nach vorn: Zwischen Energiewende, Fachkräftemangel und neuen Ausbildungsplänen wurde auf der Hauptversammlung klar, dass das Handwerk den Wandel aktiv gestalten will. Obermeister Andreas Kling machte deutlich: Die Zukunft kommt nicht von allein – man muss sie gemeinsam anpacken.
Blicken zuversichtlich auf die Zukunft des Elektrohandwerks in der Region (v. l.): Innungs-Obermeister Andreas Kling, Geschäftsführerin Catarina Haberstroh, Kreishandwerksmeister Frank Herrmann und Pforzheims OB Peter Boch. Foto: Christian Roch

17.04.2026

von Christian Roch

„Die Zukunft kommt nicht von allein, und schon gar nicht pünktlich. Wir sorgen dafür, dass der Wandel funktioniert“. Mit diesen Worten begrüßte Innungs-Obermeister Andreas Kling die rund 50 Vertreter der Mitgliedsbetriebe zur jährlichen Hauptversammlung der Elektro-Innung Pforzheim/Enzkreis in Ötisheim. Im Fokus der Veranstaltung standen die Themen Aus- und Weiterbildung sowie die Auswirkungen der Energiewende auf das Elektrohandwerk. Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch überbrachte Neuigkeiten zu drängenden Immobilienangelegenheiten.

Alles im Fluss: Energiewende und demografischer Wandel

In seinem Lagebericht wies Obermeister Kling darauf hin, dass erneuerbare Energien, Elektromobilität und Digitalisierung für das Elektrohandwerk große Herausforderungen, aber auch hervorragende Chancen darstellten.

Um davon profitieren zu können, brauchen wir stabile Rahmenbedingungen.

Andreas Kling, Innungs-Obermeister

Besonders demografischer Wandel und Fachkräftemangel machten Sorgen: „In ein paar Jahren fehlen dem deutschen Handwerk bis zu einer halben Million Arbeitskräfte.“ Gegen diese Entwicklung müsse man sich gemeinsam stemmen. „Immer wenn ich in Pforzheimer Rathaus bin, sehe ich dort ein Schild ‚Universitätsstadt Pforzheim‘. Vielleicht sollte man das um ‚Handwerkerstadt Pforzheim‘ ergänzen?“, regte Kling schmunzelnd an. Unterstützung wünschte sich der Innungsvorstand auch vom lokalen Netzbetreiber, den Stadtwerken Pforzheim. Diese hatten gleich drei Mitarbeiter entsandt, um ausführlich über den aktuellen Stand des Netzausbaus und neue technische Anforderungen zu berichten. Gesetzliche Vorgaben und immer mehr Photovoltaikanlagen erforderten große Anstrengungen beim Aufbau eines belastbaren und „smarten“ Stromnetzes – und damit auch bisweilen Geduld bei den für die Umsetzung verantwortlichen Handwerksbetrieben.

Neue Ausbildungsräume sollen 2027 bezugsfertig sein

Sorgen bereiten der Elektro-Innung auch die Raumverhältnisse in der gewerblichen Heinrich-Wieland-Schule Pforzheim, in der auch die Ausbildung des Elektrohandwerker-Nachwuchses erfolgt. Die bisherigen Ausbildungs- und Prüfungsbedingungen im Keller des Gebäudes seien unzureichend und ein Hindernis bei der Sicherung eines adäquaten Ausbildungsniveaus. Gemeinsam mit der Stadt hatte die Elektro-Innung in den letzten Monaten intensiv um Lösungen gerungen. Nachdem alternative Standorte verworfen worden waren, konzentrierten sich die Bemühungen darauf, am bisherigen Standort andere, besser geeignete Räumlichkeiten zu ertüchtigen und dann zu beziehen. Hier konnte OB Boch als Vertreter der Stadt Pforzheim zwar noch keinen Vollzug melden, hatte aber dennoch gute Nachrichten: Man habe vom Immobilieneigentümer die Zusage, dass die Stadt die fraglichen Räume durch ihren Eigenbetrieb Schulgebäude ertüchtigen dürfe. Es sei geplant, dass die neuen Räume im ersten Halbjahr 2027 bezugsfertig und danach langfristig durch die Elektro-Innung nutzbar seien. Obermeister Kling sicherte Boch die Unterstützung der Innung zu.

Wir investieren gerne auch selbst, wenn wir dadurch langfristige Planungssicherheit bekommen.

Andreas Kling, Innungs-Obermeister

Innung schließt Geschäftsjahr 2025 mit leichtem Plus ab

Natürlich wurde im Rahmen der Hauptversammlung auch Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr gehalten: Geschäftsführerin Catarina Haberstroh berichtete über zahlreiche Teilnahmen an Ausbildungsmessen und Kontaktbörsen zur Nachwuchsgewinnung. Auch sei die Zahl der Informations-, Schulungs- und Serviceangebote für die Mitgliedsbetriebe deutlich erhöht worden. Diese Angebote würden allerdings teilweise noch zu wenig genutzt. Erfreuliche Zahlen lieferte der Jahresabschluss 2025. Im Berichtsjahr wies die Einnahmen-Überschussrechnung eine leichte Überdeckung aus. Trotz des soliden Wirtschaftens sorgt man sich um die langfristige Finanzierbarkeit der Innungsarbeit. Der Grund: das bisherige Grundbeitragsmodell generiere in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen immer weniger Einnahmen. Die Geschäftsführung brachte darum ein neues Beitragsmodell zur Abstimmung, das künftig auch die Betriebsgröße berücksichtigt. Obermeister Kling: „Wir reden von durchschnittlich 20 Euro mehr pro Betrieb und Jahr. Das ist für jeden leistbar.“ Das neue Modell wurde vom Plenum denn auch einstimmig verabschiedet. Trotzdem dürfe man nicht nachlassen, neue Mitglieder für die Innung zu werben. Geschäftsführerin Haberstroh: „Wenn Sie einen unbekannten Handwerks-Transporter mit professionellem Auftreten sehen, schießen Sie ein Foto und senden Sie es der Geschäftsstelle.“ Die umfangreiche Agenda der Hauptversammlung wurde abgerundet durch einen Vortrag zu Wärmepumpen-Checklisten sowie Impulse zu Alters- und Gesundheitsvorsorge im Betrieb.