27.7.2026
von Sandra Gallian
Was am Ende des Kurses beinahe spielerisch aussieht, begann für viele mit Unsicherheit. Manche trugen zum ersten Mal bewusst eine Hose statt eines Rocks oder schoben ihren Kaftan hoch, um sich überhaupt auf ein Fahrrad setzen zu können. Auch das gehört zu einem Lernprozess, der weit über das Radfahren hinausgeht.

Seit April trafen sich die Teilnehmerinnen regelmäßig an der Schanzschule in Pforzheim. Frauen aus dem Irak, der Türkei, Marokko, Tunesien und der Ukraine lernten dort Schritt für Schritt, was viele bereits als Kinder erfahren: das Gleichgewicht zu halten und sich sicher auf zwei Rädern fortzubewegen.
Für die 48-jährige Nihayet Aktas war das ein lang gehegter Traum. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, hatte sie nie Fahrradfahren gelernt.
„Ich wollte schon immer Fahrrad fahren“, erzählt sie. „Mein Mann und meine Kinder fahren alle Fahrrad. Zuhause habe ich es zwar versucht, aber nie geschafft.“
Von ihrer Teilnahme am Kurs erzählte sie ihrer Familie zunächst nichts. Es sollte eine Überraschung werden. „Als ich mich das erste Mal auf einem Video selbst fahren sah, war ich einfach glücklich. Es macht so viel Spaß – ich fühle mich wie ein kleines Kind.“ Nun freut sie sich auf die erste gemeinsame Fahrradtour mit ihrer Familie.

Auch die 34-jährige Gulabagh Faisal aus dem Irak strahlt. Sie lebt seit vier Jahren in Deutschland und hat fünf Kinder. Ihre Deutschkenntnisse reichen noch nicht für ein ausführliches Gespräch, deshalb helfen ihre Kinder beim Übersetzen.
„Jetzt kann ich mit meiner Familie Fahrrad fahren“, erzählt sie glücklich. Das Rad möchte sie künftig zum Einkaufen, für den Weg zum Kindergarten und für Ausflüge mit ihren Kindern nutzen. Ein Fahrrad wartet bereits zuhause auf seinen ersten Einsatz.
Für Hala Rasho aus dem Irak ist der Fahrradkurs ebenfalls ein wichtiger Meilenstein. Und sie hat bereits ein neues Ziel vor Augen: Als Nächstes möchte sie Schwimmen lernen.

Geleitet wird der Fahrradkurs von Frau Margareta von Reinersdorff. Sie wird unterstützt von Stefanie Hell und Ina Bauer. Bereits zum sechsten Mal begleitet sie Frauen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit. Rund 80 Teilnehmerinnen haben in den vergangenen Jahren durch das Programm Fahrradfahren gelernt.
Der Unterricht beginnt dabei nicht auf dem Fahrrad. Zunächst stehen Bewegungs- und Lockerungsübungen auf dem Programm. Anschließend trainieren die Frauen Balance und Körpergefühl – wichtige Grundlagen, bevor sie sich überhaupt auf zwei Räder setzen.
Danach folgen Übungen mit Rollern. Im nächsten Schritt kommen speziell umgebaute Erwachsenen-Laufräder zum Einsatz. Erst wenn Sicherheit und Gleichgewicht stimmen, steigen die Teilnehmerinnen auf ein Fahrrad.

Für viele der Frauen eröffnet das Fahrrad ganz neue Möglichkeiten. Einkaufen, Arzttermine, Sprachkurse oder Freizeitaktivitäten mit den Kindern werden einfacher erreichbar. Aus einem Fortbewegungsmittel wird ein Stück Selbstbestimmung.
„Mobilität bedeutet Freiheit“, sagt Frauke Janßen, Gründerin und Geschäftsführerin von GoldenHearts. „Wer Fahrrad fahren kann, gewinnt nicht nur Sicherheit im Straßenverkehr, sondern auch mehr Selbstständigkeit im Alltag. Genau diese Chancen möchten wir Frauen eröffnen.“
Besonders emotional seien oft die Momente, in denen eine Teilnehmerin zum ersten Mal alleine losfahre. „Dann fließen regelmäßig Tränen“, erzählt Janßen. „Weil die Frauen auf einmal etwas können, was sie sich ihr ganzes Leben gewünscht haben.“

Der Fahrradkurs ist Teil des Bildungs- und Integrationsangebots von GoldenHearts. Neben Sprachkursen mit Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe und digitalen Bildungsangeboten setzt die Organisation bewusst auf praktische Projekte, die den Alltag der Frauen unmittelbar verbessern.
Damit möglichst viele Mütter teilnehmen können, wird während des Kurses eine Kinderbetreuung angeboten. Gerade für Frauen mit kleinen Kindern ist das oft die Voraussetzung, überhaupt an einem solchen Angebot teilnehmen zu können.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Kurses endet deshalb nicht nur ein gemeinsames Lernprojekt. Für viele beginnt zugleich ein neuer Abschnitt – mit mehr Bewegungsfreiheit, mehr Selbstvertrauen und der Gewissheit, den eigenen Alltag künftig unabhängiger gestalten zu können.

27.7.2026
von Sandra Gallian
Was am Ende des Kurses beinahe spielerisch aussieht, begann für viele mit Unsicherheit. Manche trugen zum ersten Mal bewusst eine Hose statt eines Rocks oder schoben ihren Kaftan hoch, um sich überhaupt auf ein Fahrrad setzen zu können. Auch das gehört zu einem Lernprozess, der weit über das Radfahren hinausgeht.

Seit April trafen sich die Teilnehmerinnen regelmäßig an der Schanzschule in Pforzheim. Frauen aus dem Irak, der Türkei, Marokko, Tunesien und der Ukraine lernten dort Schritt für Schritt, was viele bereits als Kinder erfahren: das Gleichgewicht zu halten und sich sicher auf zwei Rädern fortzubewegen.
Für die 48-jährige Nihayet Aktas war das ein lang gehegter Traum. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, hatte sie nie Fahrradfahren gelernt.
„Ich wollte schon immer Fahrrad fahren“, erzählt sie. „Mein Mann und meine Kinder fahren alle Fahrrad. Zuhause habe ich es zwar versucht, aber nie geschafft.“
Von ihrer Teilnahme am Kurs erzählte sie ihrer Familie zunächst nichts. Es sollte eine Überraschung werden. „Als ich mich das erste Mal auf einem Video selbst fahren sah, war ich einfach glücklich. Es macht so viel Spaß – ich fühle mich wie ein kleines Kind.“ Nun freut sie sich auf die erste gemeinsame Fahrradtour mit ihrer Familie.

Auch die 34-jährige Gulabagh Faisal aus dem Irak strahlt. Sie lebt seit vier Jahren in Deutschland und hat fünf Kinder. Ihre Deutschkenntnisse reichen noch nicht für ein ausführliches Gespräch, deshalb helfen ihre Kinder beim Übersetzen.
„Jetzt kann ich mit meiner Familie Fahrrad fahren“, erzählt sie glücklich. Das Rad möchte sie künftig zum Einkaufen, für den Weg zum Kindergarten und für Ausflüge mit ihren Kindern nutzen. Ein Fahrrad wartet bereits zuhause auf seinen ersten Einsatz.
Für Hala Rasho aus dem Irak ist der Fahrradkurs ebenfalls ein wichtiger Meilenstein. Und sie hat bereits ein neues Ziel vor Augen: Als Nächstes möchte sie Schwimmen lernen.

Geleitet wird der Fahrradkurs von Frau Margareta von Reinersdorff. Sie wird unterstützt von Stefanie Hell und Ina Bauer. Bereits zum sechsten Mal begleitet sie Frauen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit. Rund 80 Teilnehmerinnen haben in den vergangenen Jahren durch das Programm Fahrradfahren gelernt.
Der Unterricht beginnt dabei nicht auf dem Fahrrad. Zunächst stehen Bewegungs- und Lockerungsübungen auf dem Programm. Anschließend trainieren die Frauen Balance und Körpergefühl – wichtige Grundlagen, bevor sie sich überhaupt auf zwei Räder setzen.
Danach folgen Übungen mit Rollern. Im nächsten Schritt kommen speziell umgebaute Erwachsenen-Laufräder zum Einsatz. Erst wenn Sicherheit und Gleichgewicht stimmen, steigen die Teilnehmerinnen auf ein Fahrrad.

Für viele der Frauen eröffnet das Fahrrad ganz neue Möglichkeiten. Einkaufen, Arzttermine, Sprachkurse oder Freizeitaktivitäten mit den Kindern werden einfacher erreichbar. Aus einem Fortbewegungsmittel wird ein Stück Selbstbestimmung.
„Mobilität bedeutet Freiheit“, sagt Frauke Janßen, Gründerin und Geschäftsführerin von GoldenHearts. „Wer Fahrrad fahren kann, gewinnt nicht nur Sicherheit im Straßenverkehr, sondern auch mehr Selbstständigkeit im Alltag. Genau diese Chancen möchten wir Frauen eröffnen.“
Besonders emotional seien oft die Momente, in denen eine Teilnehmerin zum ersten Mal alleine losfahre. „Dann fließen regelmäßig Tränen“, erzählt Janßen. „Weil die Frauen auf einmal etwas können, was sie sich ihr ganzes Leben gewünscht haben.“

Der Fahrradkurs ist Teil des Bildungs- und Integrationsangebots von GoldenHearts. Neben Sprachkursen mit Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe und digitalen Bildungsangeboten setzt die Organisation bewusst auf praktische Projekte, die den Alltag der Frauen unmittelbar verbessern.
Damit möglichst viele Mütter teilnehmen können, wird während des Kurses eine Kinderbetreuung angeboten. Gerade für Frauen mit kleinen Kindern ist das oft die Voraussetzung, überhaupt an einem solchen Angebot teilnehmen zu können.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Kurses endet deshalb nicht nur ein gemeinsames Lernprojekt. Für viele beginnt zugleich ein neuer Abschnitt – mit mehr Bewegungsfreiheit, mehr Selbstvertrauen und der Gewissheit, den eigenen Alltag künftig unabhängiger gestalten zu können.

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