Azubi-Boom im Handwerk

Zum Ausbildungsstart 2026 beginnen nach aktuellem Stand 2.238 junge Menschen eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb im Bezirk der Handwerkskammer Karlsruhe. Das sind 15,2 Prozent mehr als im bereits starken Vorjahr.
Durch keine KI ersetzbar: Auch aus diesem Grund hält der Azubi-Boom im Bezirk der Handwerkskammer Karlsruhe an. Foto: auremar - stock.adobe.com

27.08.2026

„KI und digitale Werkzeuge unterstützen im Handwerk den Arbeitsalltag. Es braucht aber immer noch die Hand der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters. Nicht ohne Grund heißt es schließlich Handwerk.“
Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe

Der Nachwuchs im regionalen Handwerk wächst. Und das in einer Zeit, in der Meldungen über Stellenabbau, Standortverlagerungen und die möglichen Folgen Künstlicher Intelligenz für den Arbeitsmarkt für Verunsicherung sorgen.

„In der Gesamtwirtschaft gehen die Ausbildungszahlen zurück, nicht so im Handwerk. Immer mehr junge Menschen und ihre Eltern erkennen, dass das Handwerk sichere Jobs bietet und man die Möglichkeit hat, die Zukunft mitzugestalten.“ Mit diesen Worten kommentiert Karsten Lamprecht, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe, die aktuellen Zahlen.

Handwerk punktet mit Zukunftsaussichten

Auch Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe, sieht in der Entwicklung ein „starkes Signal für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks“. Für die steigende Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nennt er mehrere Gründe.

Während große Unternehmen Tausende Stellen abbauen und Werke ins Ausland verlagern, seien vergleichbare Meldungen aus dem Handwerk nicht zu hören. Hinzu kommt ein Thema, das gerade junge Menschen beschäftigt: die Frage, wie Künstliche Intelligenz ihre berufliche Zukunft verändern wird.

Dass diese Sorge verbreitet ist, zeigt die Studie „Jugend in Deutschland“. Dafür wurden zu Jahresbeginn 2.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren befragt. 30 Prozent von ihnen befürchten demnach, dass ihre Arbeitskraft durch KI ersetzt werden könnte.

Im Handwerk sieht Bantleon diese Gefahr nicht. „KI und digitale Werkzeuge unterstützen im Handwerk den Arbeitsalltag. Es braucht aber immer noch die Hand der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters. Nicht ohne Grund heißt es schließlich Handwerk.“

Mehr Azubis mit Abitur und Fachhochschulreife

Gleichzeitig scheint sich das Bild von einer handwerklichen Ausbildung zu verändern. Unter den neuen Auszubildenden finden sich mehr junge Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife als je zuvor. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei 17,3 Prozent.

Auch die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk würden zunehmend wahrgenommen. „Zu diesem Trend trägt sicher auch unsere Imagekampagne bei“, sagt Bantleon.

Welche Berufe besonders gefragt sind, unterscheidet sich weiterhin deutlich zwischen jungen Frauen und Männern. Bei den weiblichen Auszubildenden stehen Friseurin, Augenoptikerin und Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk besonders hoch im Kurs.

Bei den männlichen Auszubildenden führen Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektroniker die Liste an.

Ausbildungsplätze sind weiterhin frei

Für Kurzentschlossene ist der Ausbildungszug noch nicht abgefahren. Auch nach dem 1. September 2026 ist der Einstieg in eine handwerkliche Ausbildung in der Region möglich. Offene Ausbildungsstellen gibt es insbesondere für Anlagenmechaniker SHK, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker sowie Maler und Lackierer.

Zum Bezirk der Handwerkskammer Karlsruhe gehören neben der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe auch Pforzheim und der Enzkreis, der Landkreis Calw sowie Baden-Baden und der Landkreis Rastatt. Die Kammer vertritt knapp 20.900 Betriebe mit rund 114.000 Beschäftigten. Zuletzt erwirtschafteten diese Unternehmen gemeinsam einen Jahresumsatz von 18,2 Milliarden Euro.

pm/tm

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