Automobilbranche unter Druck: Hoffmeister-Kraut bringt Allianz der Autoländer ins Spiel

Die Krise der Automobilindustrie beschäftigt Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Vor dem Hintergrund der schwierigen Lage hatte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut am Dienstag Vertreter der Automobilhersteller, der Zulieferindustrie sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu einem Spitzengespräch eingeladen.
iDe baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut setzt auf eine engere Zusammenarbeit der deutschen Autoländer. Foto: Katja Bartolec

09.07.2026

Nachdem Spitzengespräch mit Vertretern von Automobilherstellern, Zulieferern sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden schlägt die CDU-Politikerin eine engere Zusammenarbeit der drei großen Autoländer vor.

Der Hintergrund ist die angespannte Lage der Branche. Hohe Energiekosten, zunehmender internationaler Wettbewerb, die Transformation zur Elektromobilität und eine schwächelnde Konjunktur setzen Hersteller und Zulieferer gleichermaßen unter Druck. Viele Unternehmen kämpfen mit sinkenden Aufträgen und müssen ihre Standorte neu ausrichten.

Der Druck wächst

Bei dem Treffen in Stuttgart ging es deshalb vor allem um die Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Baden-Württemberg gesichert werden kann. Einigkeit bestand nach Angaben des Wirtschaftsministeriums darüber, dass Unternehmen vor allem wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und bessere Investitionsbedingungen benötigen. Gleichzeitig komme den politischen Entscheidungen in Brüssel eine immer größere Bedeutung zu.

„Wir haben ein offenes, konstruktives und vertrauensvolles Gespräch geführt. Die Herausforderungen sind klar benannt – jetzt müssen wir gemeinsam handeln. Es geht um die Zukunft unserer industriellen Wertschöpfung, um gute Arbeitsplätze und um den Wohlstand unseres Landes. Dafür brauchen unsere Unternehmen wieder verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen“, sagte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Mehr Gewicht gegenüber der EU

Mit ihrem Vorschlag einer Autoländer-Allianz will die Ministerin den politischen Einfluss der drei größten deutschen Automobilstandorte auf europäischer Ebene stärken. Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen vereinen den größten Teil der automobilen Wertschöpfung in Deutschland. Aus Sicht Hoffmeister-Krauts sollte sich dieses wirtschaftliche Gewicht künftig auch stärker in Brüssel bemerkbar machen.

„Wir brauchen eine starke Stimme der Automobilwirtschaft in Europa. Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen sollten ihre Kräfte bündeln und als Autoländer-Allianz gegenüber der Europäischen Union geschlossen auftreten. Wer einen wesentlichen Teil der industriellen Wertschöpfung Europas trägt, muss auch bei den industriepolitischen Entscheidungen Europas mit entsprechendem Gewicht gehört werden. Unser Ziel ist eine europäische Politik, die Wettbewerbsfähigkeit noch stärker in den Mittelpunkt stellt.“

Darüber hinaus fordert die Ministerin Änderungen bei der europäischen Regionalförderung. Diese müsse sich künftig nicht nur an klassischen strukturschwachen Regionen orientieren, sondern auch an Industriestandorten, die hohe Investitionen in den wirtschaftlichen Umbau stemmen müssen.

„Europa darf seine industriellen Kraftzentren nicht aus dem Blick verlieren. Gerade Regionen wie Baden-Württemberg investieren Milliarden in die Erneuerung ihrer Wirtschaftsstruktur und sichern mit ihrer Innovationskraft Wertschöpfung und Beschäftigung weit über ihre Landesgrenzen hinaus. Die europäische Regionalförderung muss diesem Wandel künftig stärker Rechnung tragen. Diese Position werde ich auch weiterhin mit Nachdruck in meinen Gesprächen in Brüssel vertreten – im Interesse unserer Unternehmen, unserer Beschäftigten und eines wettbewerbsfähigen Industriestandorts Europa.“

Das Spitzengespräch soll nach Angaben des Ministeriums keine einmalige Runde bleiben. Gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden will die Landesregierung den Dialog über die Zukunft der Schlüsselbranche fortsetzen und weitere Maßnahmen zur Stärkung des Automobilstandorts Baden-Württemberg entwickeln.

pm/tm