16+ im Gespräch mit Andrea Zajac, stellvertretende Geschäftsführerin des BFW Schömberg

Was kann man von einer 80-jährigen Kuchenbäckerin über das Leben lernen? Warum ist es manchmal gut, nicht alles vorher zu wissen? Und weshalb gehören Kopf, Bauch und Herz an einen Tisch, wenn Entscheidungen anstehen? Andrea Zajac, stellvertretende Geschäftsführerin des BFW Schömberg, spricht im 16+ Interview über Rückschläge, die weiterbringen, die Kraft der Solidarität und die Kunst, sich selbst treu zu bleiben.
Foto: Zeynep Sonuc , BFW Schömberg

05.11.2026

von Tanja Meckler

Andrea Zajac will verstehen, was Menschen antreibt. Und was passiert, wenn das Leben plötzlich andere Pläne hat. Die promovierte Soziologin beschäftigt sich seit 25 Jahren beim BFW Schömberg mit beruflichen Neuanfängen – inzwischen als Bereichsleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin. Nebenbei war sie Unternehmensberaterin, Hochschuldozentin und hat zwei Kinder großgezogen. Stillstand scheint nicht so ihr Ding zu sein.

Was sie antreibt? Die Überzeugung, dass Veränderung nicht nur notwendig, sondern auch eine Chance ist. Für Menschen, Unternehmen und eine ganze Region. Dabei hält sie wenig von Entscheidungen, die nur im Kopf entstehen. Bauch und Herz müssen mitreden. Und manchmal braucht es einfach den Mut, loszugehen.

1. Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert, Ihren Beruf oder Ihre Karriere zu verfolgen?

Das Wissen-Wollen, was uns Menschen ausmacht, wie sich menschliches Verhalten formt und wie sich Gruppen, Organisationen, Gesellschaften etablieren und verändern. 

Wie und warum gelingt so Manches und warum und wie entsteht Abweichung, Krankheit und Pathologie? Wie sieht professionelle Begleitung in Form von Therapie, Beratung hierfür aus? Was zeichnet erfolgreiche Führung aus?

2. Was hätten Sie im Berufsleben gerne früher gewusst?

Alles was ich wissen musste, hat sich immer zu rechten Zeit gezeigt. Es ist also gut, dass ich so manches nicht schon zu Beginn gewusst habe.

3. Wie gehen Sie mit Rückschlägen oder Misserfolgen um?

Erst mal gebe ich zu, dass ich diese zunächst nicht so gerne habe, obwohl ich weiß, das gehört zum Leben und Rückschläge helfen uns, uns nachhaltig zu entwickeln, unsere Sinne zu schärfen, in das nächste Level zu kommen. Aber wenn ich dann wieder auf den Beinen stehe und zurückschaue, bin ich meistens dankbar für das damit verbundene Lernen, für die erreichte nächste Stufe und auch für die Menschen und Orte, die ich auf dem Wege kennen gelernt habe

4. Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen? Kopf oder Bauch?

Mit Kopf, Bauch und Herz. Nur alle drei zusammen bringen eine gute Entscheidung hervor, davon bin ich überzeugt. Ich frage mich ganz bewusst: Erstens, ist das, was ich vorhabe, klug? Zweitens, habe ich das rechte Maß dafür gefunden – ist das, was ich vorhabe, maßvoll? Und drittens, ist die Sache fair und gerecht? Wenn ich alle drei Fragen mit Ja beantworten kann, braucht es den Mut – eine Fähigkeit des Herzens –, die Entscheidung zu treffen und die Sache auch umzusetzen.

5. Was haben Sie kürzlich zum ersten Mal ausprobiert?

Mich überwiegend vegetarisch zu ernähren.

6. Welche Ziele haben Sie sich (beruflich oder privat) für die nächsten Monate gesetzt?

Wir stecken mitten in einer hochkomplexen gesellschaftlichen und auch unternehmensbezogenen Transformation. Die damit verbundenen Herausforderungen intelligent zu steuern und unser Unternehmen und die Menschen darin hin zu Innovation, Resilienz und Stabilität zu führen, das wird in den nächsten Monaten und Jahren sicherlich an erster Stelle meiner beruflichen Ziele stehen.

7. Haben Sie eine Morgenroutine und wenn ja, welche ist das?

Ein Glas warmes Wasser als erstes Getränk trinken, mit Kishu-Mischling Django eine Runde Gassi gehen, dann Milchkaffee und alles was halt morgens so dran ist.

8. Wenn Zeit, Alter und Geld keine Rolle spielen würden, gäbe es einen Beruf, den Sie gerne noch erlernen würden?

Nein, einen neuen Beruf würde ich nicht erlernen wollen. Ich liebe meinen Beruf (Soziologin) und meine Tätigkeit im BFW Schömberg (Bereichsleiterin für Produkte, Qualifizierung, Integration/Inklusion). Ich finde die berufliche Rehabilitation überaus interessant und vielschichtig und ich meine, Beruf und Tätigkeit passen nach wie vor sehr gut zu mir!

9. Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

Eine/r für alle und alle für eine/n ist schon mal ganz richtig. Ich halte viel von Solidarität, das ist der Kitt jeder Gemeinschaft. Aber bei all dem nicht vergessen: Zuerst und immer zu sich selbst stehen, zu den eigenen Werten und den eigenen Bedürfnissen. Dann wird alles Weitere einen guten Weg finden.

10. Welchen Menschen bewundern Sie und warum?

Letztlich habe ich eine ältere Dame getroffen in Karlsruhe. Sie hat einen kleinen Laden in welchem sie am Wochenende patisserieverdächtigen selbstgebackenen Kuchen verkauft. Sie ist mir zuerst wegen ihres gepflegten Äußeren aufgefallen und auch wegen ihrer Klarheit und Selbstbewusstheit, die ihr durch und durch anzuspüren war. Als sie dann noch ihre 80-Jahre beiläufig erwähnt hat und ich ein Messingschild hinter Ihrem Tresen mit der Aufschrift „Willst du glücklich sein, dann sei es!“ gesehen habe, da wusste ich, eine bewundernswerte Person vor mir zu haben!

11. Was waren Ihre drei wichtigsten Learnings?

Das ganze Leben, beruflich und privat, kann nur gelingen, wenn man lernt und dazu braucht es an erster Stelle die Bereitschaft zu lernen und ein Ziel, das es wert ist zu verfolgen.

Dass Veränderungen unablässig anstehen ist das eine, den Mut zu haben, sie aktiv zu gestalten, sie zu steuern, das macht den Unterschied.

Und wenn man dann noch an sich glaubt, steht einem die Welt offen.  

12. Womit kann man Ihnen immer eine Freude bereiten?

Ich mag alles was schön ist: Kunst, Mode, gute Bücher … und Familie

13. Wie würde sich Ihr Leben verändern, wenn Sie aus finanzieller Sicht nicht mehr arbeiten müssten?

Ich hätte vielleicht ein Ferienhaus in der Provence und wäre dort bisschen öfter als jetzt.

14. Welche Erfindung ist für Sie die bedeutendste?

Die Erfindung des Buchdrucks. Dadurch wurde Bildung für alle möglich.

15. Was müsste Ihrer Meinung noch dringend erfunden werden?

„Stopp-den-Klimawandel-Pillen“ für 8,3 Milliarden Menschen.

16. Was hat Sie in Ihrem Job am meisten überrascht?

Von „Ich wirke“ zu „Ich wirke durch andere“ ist tatsächlich möglich. Dann geht alles leicht und dass das wirklich „funktioniert“, hat mich überrascht.

+ Mal angenommen, Sie könnten die ganze Welt erreichen:
Welche Botschaft(en) würden Sie den Menschen mitteilen?

Ich würde Goethe zu Wort kommen lassen mit seinem Ausdruck: „Erfolg hat 3 Buchstaben: TUN“

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!